Mir erging es so viele Jahre, in denen ich verzweifelt versuchte, gegen meine Dämonen anzukämpfen, die mich in Angstzustände und Depressionen stürzten. Das Chaos in mir brannte immer wieder alles nieder, bis nach einer Sturzflut von Tränen nur noch innere Leere übrigblieb. Verloren in dieser scheinbar endlosen Schlucht, aus der ich bereits glaubte, keinen Ausweg mehr zu finden, konnte mir auch eine Psychotherapie nicht helfen.
Eines Nachts, als ich voller Verzweiflung nach Schlaf suchte, um dem dämonischen Gedankenlärm zu entkommen, schluckte ich eine Handvoll verschiedener Tabletten – nicht den Tod suchend, aber dennoch gleichgültig, ob ich am nächsten Morgen wieder aufwachen würde. Meine Mutter verbrachte die Nacht damit, zu kontrollieren, ob mein Puls stabil blieb. Als ich am nächsten Nachmittag wieder aufwachte fühlte ich mich egoistisch, meinen Eltern solche Sorgen bereitet zu haben. Ich entschloss mich, mir selbst ein Ultimatum zu stellen, bis dahin ich wirklich alles versuchen würde damit es mir besser geht. Es war eine Suche, die sich über Jahre hinweg zog: Ein Schritt in Richtung Freiheit und dann wieder den Dämonen mit neuen Masken begegnen.
Auch die bloße Abwesenheit von Schmerz hinterließ dennoch eine Leere, weshalb ich manchmal zum Schmerz zurückkehrte, nur um überhaupt etwas zu fühlen. Während ich versuchte, dem Labyrinth zu entkommen, geriet ich in Irrwege und Sackgassen, musste umkehren und neue Wege ausprobieren, bis die Schatten schließlich deutlicher wurden – ein Hinweis darauf, dass ich dem Licht am Ausgang langsam näherkam.
Auch nachdem ich das Labyrinth verlassen habe, hörten meine Dämonen nicht einfach auf zu existieren. Sie klopfen ab und zu noch an meine Tür. Erkenne ich sie, kann ich mich entscheiden, sie nicht hereinzulassen. Gelingt es ihnen doch einmal wieder, mich in die dunkle Schlucht hinabzureißen, kenne ich nun verschiedene Wege hinaus. Wieder oben angekommen, kann ich das Hinabstürzen in Ruhe reflektieren, um zu sehen, wo und warum ich den Halt verloren habe, sodass es immer seltener passiert. Das Ultimatum, das ich mir damals stellte, geriet in Vergessenheit, als ich begann, meinen Weg in eine hellere und friedvollere Welt zu entdecken.
Heute bin ich mehr als froh, nicht vorher aufgegeben zu haben.